Aborte/Frühgeburten
Ausfluß mit oder ohne Fruchtteile zwischen dem 30. und 55. Tag der Trächtigkeit kann ein Symptom für einen drohenden oder bereits in Gang befindlichen Abort sein. Nach dem 55. Tag spricht man von einer Frühgeburt. In der Regel fällt vor dem 28. Trächtigkeitstag ein Fruchtverlust sehr selten durch Ausfluß auf, da bis zu diesem Zeitpunkt abgestorbene Fruchtanlagen resorbiert werden (Fruchtresorption). Das Absterben oder vorzeitige Gebären von Früchten kann sowohl alle oder auch nur einzelne Welpen betreffen. Die Ursachen sind vielfältig: Virusinfektionen (Herpes canis, Hepatitisvirus), Bakterien (Hundebrucellose, besondere Staphylokokken, Streptokokken, Coli-Keime, Salmonellen oder Proteus), einzellige Parasiten (Toxoplasmose, Neospora caninum). Auch nichtinfektiöse Ursachen sind bekannt: Mangel an Progesteron (Trächtigkeitsschutzhormon) oder anderen trächtigkeitserhaltenden Hormonen (Relaxin, Prolaktin), Schilddrüsenerkrankungen, Energieunterversorgung (Ernährung), Fruchtüberladung (Hyperfetation), einige Medikamente (Langzeitkortisone), Mißbildungen an den Feten oder eine unzureichende Mutterkuchenfunktion (Plazentainsuffizienz; Farbtafeln 24, 25).

Es ist teilweise sehr schwierig, selbst für spezialisierte Institute, die eigentliche Ursache nachträglich noch zu ergründen. Die Abortprodukte müssen parallel zu Blutanalysen (ausgewählte Hormone, Antikörper gegen Herpes- und Brucella canis) bei der Hündin schnell in eine geeignete Untersuchungseinrichtung eingeschickt werden, um eine aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Auch der Nachweis bestimmter Bakterien ist nicht immer beweisend, da bei abgestorbenen Welpen häufig sekundäre Infektionen nachweisbar sind. So empfiehlt sich stets auch eine bakteriologische Untersuchung von Gebärmuttersekret (Farbtafel 26). Hundebrucellose und Herpesinfektionen können zusätzlich anhand mütterlicher Blutproben (Antikörpertiter) nachgewiesen werden. Bei Mangel an Progesteron nach dem 28. Tag zeigen die Hündinnen nach dem 30. Tag bräunlichen Ausfluß bei ungestörtem Allgemeinbefinden. Ergibt der Progesterontest einen abnorm niedrigen Wert für dieses Trächtigkeitsstadium, und in der Ultraschalluntersuchung sind Welpenbewegungen bzw. Herzaktionen nachweisbar, so kann der Tierarzt dieses Hormon bis zum 55. Trächtigkeitstag unter antibiotischer Abschirmung (wegen Muttermundöffnung) substituieren. Bei den meisten anderen Abortursachen ist der Fruchtverlust nicht mehr aufzuhalten. Es gibt allerdings Ausnahmen: in Einzelfällen tritt Ausfluß auf, ist aber nach ca. einer Woche wieder verschwunden.

Die Werte des Progesterons liegen im Normbereich. Bei der Geburt zum normalen Zeitpunkt wird neben lebenden, gut entwickelten Welpen unter Umständen ein toter mumifizierter Welpe geboren. Dieser isolierte Fruchttod, der zu Abortzeichen führt und meist durch Plazenta- bzw. Versorgungsmängel in der Nähe der Gebärmutterhornteilung, selten durch isolierte Infektion eines Welpen, entsteht, kann auch unbehandelt zu normaler Geburt mit lebenden Welpen führen. Auch der vorzeitige Abgang von Fruchtwasser (Blasensprung ein bis zwei Wochen vor dem Geburtstermin) ohne Wehentätigkeit kann das Ergebnis eines abgestorbenen Welpen sein, wenn er sich in der Nähe des Muttermundes befindet. Im Zweifelsfall sollte der Tierarzt die Lebensfähigkeit der anderen Welpen und den Öffnungsgrad des Muttermundes kontrollieren.


Fallbeispiel drohender Abort (Abortus imminens): Dobermann, 4 Jahre,
einmal geworfen, 33. Trächtigkeitstag
Die Hündin zeigte plötzlichen braun-rötlichen Ausfluß am 33. Tag nach dem Deckakt. Ansonsten zeigte sie kein Fieber und nahm normal Futter und Wasser auf. Bei der Untersuchung war der Muttermund nicht deutlich geöffnet, aber schleimig-bräunliches Sekret gelangte in die Scheide. Die Ultraschalluntersuchung zeigte mindestens 4 lebende, für das Trächtigkeitsstadium normal entwickelte Welpen. Der Wert des Trächtigkeitsschutzhormones (Progesteron) lag weit unter der für diese Phase normalen Blutkonzentration. Diagnose: Hypoluteinismus (Mangel an Trächtigkeitsschutzhormon). Therapie: Ersatz des Gelbkörperhormons jeden dritten Tag unter antibiotischer Abschirmung (5 Tage) bis zum 52. Trächtigkeitstag. Am 62. Trächtigkeitstag wurden 5 gesunde Welpen geboren.