Ausbleiben des Geburtseintrittes
Eine "Tragezeitverlängerung", die über den 70. Trächtigkeitstag hinaus geht, kann verschiedene Ursachen haben. Die anfangs genannten Unterschiede zwischen Deck- und Befruchtungszeitpunkt (bis zu einer Woche) müssen berücksichtigt werden.
Fallbeispiel Ausbleiben des Geburtseintrittes: Rottweiler, 2,5 Jahre, erste
Trächtigkeit, 69. bis 72. Trächtigkeitstag (letzter/erster Deckakt)
Bei der Ultraschalluntersuchung wurden mehr als 6 lebende Welpen gefunden. Die Scheidenspiegelung zeigte einen geschlossenen Geburtsweg mit einem noch zähpappigen Schleimpfropf vor dem Muttermund. Es waren keine Wehen und sonstigen Geburtsanzeichen feststellbar. Durch den starken Bauchumfang hechelte die Hündin gelegentlich stärker. Diagnose: intakte Trächtigkeit, Verdacht auf relativ frühe, aber erfolgreiche Bedeckung in der Läufigkeit, letzter Decktermin und eigentlicher Befruchtungszeitpunkt der Eizellen haben vermutlich 5 bis 6 Tage auseinandergelegen. Therapie: Abwarten; Verlaufskontrolle am nächsten (70. bis 73.) und übernächsten (71. bis 74.) Tag, an welchem dann 11 gesunde Welpen ohne Probleme geboren wurden. Nahezu identische zeitliche Abläufe mit scheinbar verlängerter Trächtigkeitsdauer waren bei dieser Hündin ein Jahr später zu beobachten, wo 9 Welpen gesund geboren wurden.

Neben der falschen Berechnung des Geburtszeitpunktes kann die Hündin leer geblieben und nur scheinträchtig sein. Ein unerkannter Abort ist in den meisten Fällen bei genauer Beobachtung auszuschließen. Bei insbesondere mittleren und großen Rassen stellt auch eine Einfrüchtigkeit, besonders in Kombination mit Gehirnmißbildungen (z.B. Anencephalie; Farbtafel 27) eine Blockade für den normalen Geburtsbeginn dar. Es kommt fast regelmäßig zum Übertragen, da die für die Geburtsauslösung notwendigen Impulse nur unterschwellig ablaufen. Gelegentlich erfolgt die Geburt einige Tage nach dem errechneten Termin noch spontan, häufig jedoch mit Komplikationen wie mangelhafter Eröffnung des Geburtsweges oder Wehenschwäche. Ein Kaiserschnitt sollte jedoch nicht zu früh erfolgen. Eine mehrfache tierärztliche Kontrolle der Lebensfähigkeit des Welpen mittels Ultraschall ist zu empfehlen. Weiterhin kommt es zu einer Verhinderung des Geburtseintrittes, wenn in Unkenntnis der Trächtigkeit (unbeobachteter Deckakt) eine Behandlung mit Langzeitgestagenen (Hormone zur Läufigkeitsunterdrückung) vorgenommen wurde. Diese haben eine progesteronähnliche Wirkung und sind über mehrere Monate aktiv. Sie "schützen" die Trächtigkeit über die erforderliche Zeit hinaus. Eine natürliche Geburt kann nicht beginnen. Verlagerungen, Verwachsungen nach vorangegangenen Operationen oder Unfällen und vorgeburtliche Verdrehungen sowie eine Ruptur (Platzen) des Uterus (traumatisch bedingt) verhindern ebenfalls das Zustandekommen und den Ablauf regulärer Wehen und damit die Geburt.
Hat die Geburt begonnen, so sind es nachfolgende wichtige Grundsätze für den Besitzer, die ihn veranlassen sollten, im Zweifelsfall einen Tierarzt zu Rate zu ziehen. Mitunter können erst weiterführende tierärztliche Untersuchungen die Ursachen aufdecken.