Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes
Die übergroße Mehrheit der geschlechtsgesunden Hündinnen wird nach genauer Beobachtung durch den Züchter (Verhalten/Duldungsreflex, Zählmethode etc.) erfolgreich gedeckt. Eine genaue Untersuchung zur Analyse der wirklich fruchtbaren Tage ist dann angezeigt, wenn:
- weite Entfernungen zum Deckpartner zurückgelegt werden sollen,
- die Hündin, möglicherweise aufgrund eines falschen Deckzeitpunktes, schon ein- oder mehrmals leer geblieben ist,
- sie zu "weißen" (stillen) Läufigkeiten neigt oder
- eine instrumentelle Samenübertragung (z.B. Importsperma) geplant ist.

Zählmethode, "Zuckertest"
Es handelt sich bei der Zählmethode um ein altes und weit verbreitetes Verfahren, bei dem der Beginn und Verlauf der Läufigkeitsblutung festgestellt und vom ersten Blutungstag an zwischen dem zehnten und zwölften Tag gedeckt wird. Sie ist im Einzelfall völlig ungenau und kann dazu führen, daß ein falscher Deckzeitpunkt gewählt und die Hündin, sofern sie deckbereit war, dann nicht aufnimmt. Für Hündinnen mit "weißer Hitze", das heißt kaum sichtbarer Läufigkeitsblutung, kann dagegen dieser Zeitpunkt schon zu spät liegen. Wenn man davon ausgeht, daß mit der Bedeckung um den zehnten und zwölften Läufigkeitstag zwischen 50 und 70 Prozent der Hündinnen tragend werden, erscheint das zwar im ersten Moment viel, ist im Einzelfall aber nicht befriedigend. Das Leerbleiben aufgrund eines falschen Deckzeitpunktes ist eine der am besten zu beeinflussenden Sterilitätsursachen.
Erfolgreich wird von manchen Züchtern auch der sogenannte Zuckertest aus dem Scheidensekret mit einem Harn-Teststreifen aus der Humanmedizin zur Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes angewandt. Indirekt handelt es sich bei dieser Untersuchung um den Nachweis des Progesterons. Das Ansteigen dieses Hormons im Blut verursacht eine kurzfristige Beeinflussung der Hormone, die den Blutzuckergehalt regulieren. Der Blutzucker steigt an, wenn Progesteron zu steigen beginnt und wird auch über das Läufigkeitssekret ausgeschieden, was dann am Teststreifen, den man ca. eine Minute in die Scheide verbringt, nachweisbar ist. Der Körper reguliert diese Funktion schnell wieder nach, so daß der vorher positive Zuckertest wieder negativ wird. Der optimale Deckzeitpunkt liegt einen Tag nach dem ersten negativen Nachweis. Die Gefahr liegt darin, daß manche Hündinnen nicht mit einem adäquaten Zuckeranstieg reagieren oder nur einen sehr kurzen Anstieg zeigen. Das kann zu Fehlbewertungen führen. Auch reagieren die Teststreifen verschiedener Hersteller unterschiedlich. Gelegentlich versagt der Test bei "weißer" Läufigkeit oder reagiert zu spät.

Äußerlich sichtbare Veränderungen in der Läufigkeit
Sowohl das Verhalten der Hündin als auch sichtbare Veränderungen am äußeren Genitale stellen Möglichkeiten der Eingrenzung des Deckzeitpunktes dar. Für ca. 80 Prozent der Hündinnen gilt, daß sie nach Erreichen des Östrogengipfels und der sich anschließenden Ovulation mit der Duldung beginnen: Drückt man im Dammbereich oberhalb der Scham, so hebt und senkt die Hündin diese und legt die Rute beiseite. Ein "Probierrüde" leistet ebenfalls sehr wertvolle Dienste, um dies zu prüfen. Der Deckakt sollte zwei bis vier Tage nach dem Feststellen der ersten Rüdenduldung liegen. Für einige Hündinnen trifft dies nicht zu, da sie bereits im Vorfeld der Hormonveränderungen - also weit vor dem frühestmöglichen Befruchtungszeitpunkt - Rüdenduldung zeigen. Unter Umständen nehmen sie dann durch eine zu frühe Bedeckung nicht auf. In diesen Fällen sind weiterführende Untersuchungen notwendig. Eine wichtige Orientierung liefern das Aussehen und die Beschaffenheit der Scham. Unter Östrogeneinfluß schwillt sie an und zeigt eine relativ glatte und gespannte Haut. Kommt es nach dem Östrogenhöhepunkt zum Abfall dieses Hormons kurz vor der Eizellfreisetzung, so geht die Gewebespannung verloren, und die Scham wird faltig bzw. schrumpft, da das durchsaftete Gewebe nicht sofort seine ursprüngliche Beschaffenheit wiedererlangt. Viele Hündinnenbesitzer nutzen diese Hinweise zusätzlich für die Festlegung des Deckzeitpunktes. Die Zahl der Hündinnen, die tragend wird, ist hoch, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Rüdenspermien (unkonserviertes Sperma!) über sechs bis sieben Tage befruchtungsfähig bleiben und auch eine geringfügig zu frühe Bedeckung vor der Ovulation noch zu Trächtigkeiten führen kann. Allenfalls auffällig ist dann eine scheinbar verlängerte Trächtigkeitsdauer, meist über 65 Tage, wenn vom ersten Decktag an gerechnet wird oder nur ein Deckakt stattfand. Ausnahmen bilden Einfrüchtigkeiten bei großen Rassen, die meist länger getragen werden. Die früheste erfolgreiche Paarung wurde (bezogen auf die Ovulation - Freisetzung der Eizellen) 54 Stunden vor der Ovulation, die späteste 120 Stunden danach beobachtet.
Auch die Beurteilung des Läufigkeitsausflusses selbst ist ein wichtiger Hinweis für die bevorstehenden fruchtbaren Tage. Mit dem Abfall der Östrogene ändert der Ausfluß seine Farbe, wird heller, "fleischwasserfarben" und geringer in seiner Menge. Das gilt nicht uneingeschränkt, da einige Hündinnen in der Läufigkeit nahezu "durchbluten".