Die Entscheidung zur instrumentellen Samenübertragung
Vor einer solchen sind die Umstände und Ursachen, die zu einer Besamung führen sollen, natürlich genau zu prüfen. Aus züchterischer Sicht sind als Indikationen zu nennen:
- Aufbau einer seltenen Rasse
- Vermeidung des Transportes der Tiere über Ländergrenzen,
teilweise über große Entfernungen (veterinärgesetzliche
Vorgaben)
- Nutzung züchterisch wertvoller Rüden auch nach deren Tod (Tiefgefriersperma).
Neben diesen Aspekten gibt es medizinische Indikationen: darunter sind Faktoren zu verstehen, die eine natürliche Verpaarung nicht zustande kommen lassen:
sekundäre physische Mängel
- beim Rüden Narben im Vorhautbereich und Penis, Kallusbildung am Penisknochen
(Verletzungsfolgen!)
- Deckhindernisse bei der Hündin, wie Scheidenspangen,
mangelhafte Hymenweite, Unvermögen zum Hängen durch erworbene
Muskelschwäche
psychische Defekte
- Frustrationserlebnisse des Rüden beim ersten Deckakt, wie Verletzungen des Penis
durch Haare, Abbeißen und Verletzungen durch die Hündin
- fremde Umgebung und ungeschickte Deckhilfe können zur Begattungsimpotenz
führen
- intensive Bindung der Hündin oder des Rüden zum Besitzer
- Nichtakzeptanz bestimmter Rüden
Herabsetzung der Infektionsgefahr
- Verhinderung der Übertragung von spezifischen und unspezifischen
Genitalinfektionen über den Rüden von einer Hündin auf die andere.
Außer den hier genannten Indikationen für die Instrumentelle Samenübertragung gibt es natürlich auch Umstände, die einen Einsatz der Instrumentellen Samenübertragung verbieten:
- bestimmte Genitalfehler mit erblicher Disposition, wie Penisunterentwicklung
(Penishypoplasie) oder Harnröhrendefekte (Hypospadie), angeborene Schamenge
(Vulvahypoplasie) bei der Hündin
- körperliche Disproportionen (steile Hinterhand, Brusttiefe), die einen natürlichen Deckakt nicht mehr zustande kommen lassen.
Der häufigste Vorbehalt wird im Zusammenhang mit der Weitervererbung oder Weitergabe von Defekten geäußert, und genau das muß ausgeschlossen werden. Ein grundsätzliches Ablehnen der Besamung ist allerdings aus der Sicht der modernen Zuchtpraxis nicht gerechtfertigt. Ist doch so mancher Champion, den man sich im Ausland (Dänemark, Finnland, USA) zugelegt hat, auf diese Art und Weise entstanden. Die Ursachen für das Nichtzustandekommen eines Deckaktes müssen sorgfältig abgeklärt werden. Oft handelt es sich lediglich um die Nutzung eines falschen Deckzeitpunktes.

Voraussetzungen für die Besamung
Für den Erfolg einer Instrumentellen Samenübertragung sind ebenfalls einige Voraussetzungen zu schaffen.
Hündin
Der Ovulations- und damit der günstigste Deckzeitpunkt muß bei der Hündin ziemlich genau vorausbestimmt werden (Kapitel 2.1).
Rüde
Eine weitere Voraussetzung ist, daß ein Samenspender zur Verfügung steht. Beim Rüden selbst wird eine Untersuchung auf Geschlechtsgesundheit (andrologische Untersuchung) vorgenommen. Je nach Vorbericht kann auch eine Voruntersuchung auf Bakterien bei Rüde und/oder Hündin erforderlich sein. Sie sollte bei häufig zur Besamung genutzten Rüden in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden. Alles in allem bleibt als Fazit: Beide Deckpartner müssen geschlechtsgesund sein, und ein erblich bedingtes oder infektiöses Leiden muß ausgeschlossen werden.
Technische Ausrüstung
Der Fachmann muß ein Mindestmaß an Hilfsmitteln besitzen, um erfolgreich arbeiten zu können. So sind eine mikroskopische Ausrüstung, Zählkammern, einige Färbetechniken, Auffanggläser und Besamungsinstrumente erforderlich. Je nach Konservierungsart benötigt man speziell zusammengesetzte Verdünner und bei Bedarf flüssigen Stickstoff mit den entsprechenden Aufbewahrungsmöglichkeiten unter Beachtung der Lagerungsvorschriften (Gefahrstoff).

Spermagewinnung
Bei der Spermagewinnung muß der Tierarzt die natürlichen Gegebenheiten der Paarung weitgehend berücksichtigen, damit eine Ejakulation zustande kommt. Nicht bei allen ansonsten guten Deckrüden läßt sich Sperma gewinnen. Die Anwesenheit einer läufigen Hündin erleichtert den Absamvorgang oder macht ihn überhaupt erst möglich. Vertraute Personen wirken für den einen Rüden stimulierend, für den anderen eher hemmend. Die Samengewinnung kann mit einer künstlichen Scheide oder besser durch Penismassage erfolgen (Farbtafel 6). Auch müssen die unterschiedlichen Abschnitte der Paarung berücksichtigt werden - wie Umsteigen und Knoten. Das Ejakulat wird in verschiedenen Phasen abgegeben, von denen nur die spermienreiche von Bedeutung ist. Zur spermatologischen Untersuchung (Spermiendichte, Beweglichkeit, Anteil toter und mißgebildeter Spermien...) gelangt jedoch das gesamte Ejakulat. Zum Auffangen des Spermas werden am besten vorgewärmte, skalierte Wassermantelgefäße verwendet.